Anfangsbericht (10/2010)
Julius Froehlich, Tansania Singida
1. Projekt
a. Wie war Deine Ankunft im Projekt? Wie hat Dich der Projektpartner aufgenommen?
Vor der Ankunft waren Jana und ich ja noch in Arusha bei dem Workcamp. Erst eine Woche nach Ende des Workcamps sind wir dann mit unserem Mentor Richard und Claudia D. von Arusha nach Singida gefahren. Die Busfahrt war sehr anstrengend und als wir dann endlich in Singida ankamen, haben wir Jana und Claudia erst einmal zu Janas Gastfamilie gebracht und sind dann weiter zu Richards Wohnhaus, wo ich auch untergebracht bin, gefahren. Es war schon spaet abends, aber die Familie, die die Zimmer vermietet waren noch wach und haben mich herzlich begruesst. Ich war jedoch nach der langen Busfahrt nicht in der Lage mich ausgeibig mit ihnen zu unterhalten. Ausserdem konnten sie kein englisch, bis auf Bennet/Bennado und die Mitbewohner. Ich habe am naechsten Tag Lara in Iguguno mit Claudia, Jana und Richard besucht, wo wir dann eine kleine Dorfrunde gemacht haben und allen moeglichen Leuten hallo gesagt haben. Dann haben wir uns von Claudia verabschiedet und sind zu dritt wieder zurueck gefahren. Die naechsten Tage verbrachten wir damit Singida und unsre Projekte kennen zu lernen.
b. Wie erging es Dir in den ersten Tagen/Wochen im Projekt? Was war ungewohnt oder neu für Dich?
Da ich schon vieles aus Arusha kannte, wie z.B. das daladala-fahren, allgemeine Verhaltensregeln in der Oeffentlichkeit, Begruessungen und basic-kiswahili, war eigtl. Nur die neue Umgebung neu fuer mich. Auch die Lebensweise in solch einer Umgebung war anders als in Arusha. Singida ins eine kleine Stadt zwischen 2 grossen Seen. Mitten in der Savanne liegen die grob gemauerten Hauser mit den grauen und manchmal gruen bemalten Wellblechdaechern. Zwischen den Haeusern ragen hier und da gewaltige Steine auf und verleihen dem ganzen Bild von Singida ein Gesicht. Keine andere Stadt oder Dorf, welches ich in Tanzania gesehen habe, ist so sandig, staubig und windig. Arusha ist zwar noch viel dreckiger als Singida, aber dafuer ist die Hitzewelle, die immer vom Mittag, bis zum Nachmittag um 5 anhaelt manchmal unertraeglich. Es ist wie dauerhafter Hochsommer. In den ersten Wochen hat sich inzwischen der Alltag eingependelt. Jana und ich gehen jeden Wochentag um 8 in die Schule, unterrichten ab und zu und gehen dann um 12 mit dem Daladala in das Children and Community Center von Singida. Dort helfen wir beim Lernen, Spielen und Essen kochen und verteilen. Um 4 sind wir dann meistens wieder in der Stadt. Ich habe mir in der ersten Woche ueberlegt, ob ich in einen Fussballverein gehen soll. Direkt am darauffolgenden Tag war ich schon drin. Jetzt habe ich jeden Tag von 5 bis 6:30 training mit einer afrikanischen Fussballmanschaft. Die Spielbedingungen sind anders, aber daran werde ich mich schon noch gewoehnen.
Zu Hause ist auch alles sehr einfach und ruhig. Morgens fruehstuecke ich mit Bennet und gehe danach in die Schule. Nachmittags komme ich heim und ziehe mich fuer das Training um. Wenn ich wieder komme, erwartet mich meistens der kleine Sohn der Familie, der sich riesig freut, wenn ich mit ihm spiele. Abends esse ich dann mit dem Bennet und schauen dabei Fernsehen. Es wird sowieso fast den ganzen Tag der Fernseher angelassen, auch wenn niemand zu hause ist.
Insgesammt sind die Leute mit denen ich arbeite sehr neugierig, was Deutschland betrifft, und sehr freundlich. Sie helfen uns bei den taeglischen Aufgaben und bringen uns taeglich etwas mehr Kiswahili bei.
c. Wurden Deine Erwartungen bisher erfüllt? Auf was warst Du nicht vorbereitet?
Ich habe es mir im grossen und ganzen viel schlimmer vorgestellt. Viele sagten mir, dass es kein Trinkwasser gaebe. Man muesse sich das alles von weit entfernten Brunnen holen und dann abkochen. Es war auch von der Rede, dass keine gescheiten Geschaefte hier seien, in denen man das uebliche kaufen koenne. Doch das hat sich alles meiner Meinung nach fuer falsch erwisen. Natuerlich ist Wasser hier nicht gerade unter jedem Stein zu finden. Doch es ist immer Wasser vorhanden. Und da wir gerade in der Trockenzeit hier sind, wird es in der Regenzeit wohl erst recht nicht ausgehen.
Geschaefte sind hier auch keine Mangelware. Es gibt Internetcafes, kleine Supermaerkte, einen grossen Nahrungsmarkt auf dem Fisch, Reis, Zwiebeln, Bananen, Kartoffeln, Maismehl, Mais, Tee und vieles mehr angeboten wird. Singida hat einen alten Busbahnhof, der als Reperaturwerkstadt fuer LKWs und grosse Transporter genutzt wird. Tankstellen sind genuegend vorhanden. Matratzengeschaefte, Fahrradlaeden, Motoradverkaeufer, Motels, Bars, Kleiderlaeden, Handyshops, Kochtoepfe, Getraenkelaeden etc.etc....
Das haette ich wirklich nicht erwartet fuer eine Stadt, die von vielen als so unbedeutend und unattraktiv beurteilt wurde. Ich war ausserdem auf die extreme Hitze und auf die Tatsache, dass es mehrere Fussballvereine gibt nicht vorbereitet. Diese Stadt ist nicht so untaetig wie man denkt. Jeder Tag ist wie der andere und doch anders. Daladalas fahren von Singida aus in alle Richtungen und bringen Menschen in das Stadtzentrum, Busse aus Daresalam, Arusha und Dodoma halten hier und fahren ab. Hier wird jeder Tag als Geschaeftstag angesehen. Feiertage oder Wocheneden sind genau so belebt, wie die Wochentage. Kein Tag vergeht ohne das die Muetter und ihre Toechter Essen einkaufen oder verkaufen, Vaeter und Soehne in der Schreinerei Metallgitter oder Betten herstellen oder im Daladala Geld von den Fahrgaesten kassieren. Manche verdienen sich auch Geld durch Taxifahren in einem Auto oder Motorrad. Grosse Schubkarren werden von kraeftigen Haenden die Strassen hoch und runter am alltaeglichen Stadtlaerm vorbei geschoben, auf dem Weg Wasser, Holz oder andere Rohgueter zu holen und abzuladen.
d. Wie verläuft die Betreuung im Projekt? Bist Du zufrieden (Erreichbarkeit des Ansprechpartners, Hilfestellungen etc.)?
Da Richard praktisch mein Mitbewohner ist, und mich fast taeglich anruft, wenn wir uns nicht sehen, habe ich immer die moeglichkeit mit ihm zu reden. Wir verstehen uns gut und ich habe keinen Zweifel, dass sich das noch die naechsten 10 Monate aendern wird.
In der Schule sind wir im staendigen Kontakt mit den Lehrern, die uns sagen, was wir machen koennen. Die Kinder helfen uns dann, wenn wir etwas noch nicht wissen oder etwas falsch verstanden haben.
2. Leben
a. Bist Du mit der Unterkunft und der Verpflegung zufrieden?
Die Unterkunft ist einfach. Ein Bett mit einem Moskitonetz und zwei Hockern. Ich werde versuchen das unbenutzte Holz, welches im Hof herumliegt, fuer den Bau von Moebeln zu verwenden, da ich schliesslich immer noch aus meinem Koffer lebe. Im Hof gibt es einen Brunnen, der in der Regenzeit immer gefuellt ist. Waescheleinen hängen quer über den Hof. Ein Zimmer für die Küche, eins für das Lagern von Lebensmitteln, eins für die Lagerung von allem möglichen und ein Hühnerstall prägen das Geschehen im Hof. Außer diesen Zimmern gibt es noch mein Zimmer, Richards Zimmer, 2 andere Zimmer, in denen 2 junge Männer wohnen und ein Klo und eine Dusche. Das Klo ist wie in fast allen Häusern von Afrika ein Loch im Boden. Die Spülung erflogt durch einen Eimer Wasser, den man einfach hinterher gießt. Die Dusche ist ein Raum mit einem Abfluss. Geduscht wird mit einem Eimer heßen und kalten Wasser, die man sich nach Bedarf beliebig mischen kann. Dann wird ein kleiner Becher genommen, mit dem man Wasser über sich gießt. Das Essen zu Hause ist gut. Es gibt zwar sehr viel Reis, aber daran habe ich mich schon gewöhnt. In der Schule gibt es meistens einen kleinen Snack und eine Tasse Tee. Im Center gibt es dann noch mal richtiges Mittagessen. Und falls man noch mal Hunger kriegt, kann man sich ne Mango, Bananen, Kekse oder andere Snacks auf der Strasse kaufen. In den „Restaurants“ gibt es meistens auch noch Ugali, Reis oder Pommes mit Fleisch. Und wenn man zu Gast irgendwo isst, verhungert man auch nicht, da man so viel auf den Teller kriegt, dass man danach nach Hause rollen könnte.
b. Wie ergeht es Dir im Land und mit den Menschen? Wie läuft die Kommunikation? Hast Du schon Kontakte geknüpft?
Ich bin inzwischen sehr Vertraut mit der Weise, wie die Menschen hier Kontakt aufnehmen wollen oder Aufmerksamkeit kriegen wollen. Die meisten versuchen uns auf Englisch anzureden. Das ist dann aber in den meisten Fällen nur so „Hello“,“How are you?“. Das kann man einfach beantworten und weitergehen. Wenn sie dann kein Englisch können, grüssen sie uns auf Kiswahili, was mittlerweile auch kein Problem mehr ist. Nur in wenigen Fällen werden sie aufdringlich und laufen einem die ganze Zeit hinterher. Da hilft dann auch nicht wirklich ein „Nein!“ , wenn sie Geld wollen oder irgendwas anderes. Meistens sind es dann Kinder die man nach 100 Metern abgewimmelt hat.
Die Kommunikation ist schwierig, wird aber immer besser. Kontakte ist Definitionssache. Wenn jeder die Handynummer von einem haben will oder sagt er sei jetzt sein Freund, dann sehe ich das nicht als Freund an. Die Kontakte, die ich hier knüpfe sind die Arbeitskollegen bei der Arbeit und die Mannschaftskammeraden in der Fußballmannschaft oder die Nachbarskinder. Ich bezweifle jedoch, dass diese Kontakte, die einzigen bleiben, da man als Weißer hier doch sehr schnell auffällt.
3. Reflexion
a. Was möchtest Du in den nächsten Monaten erreichen (in der Arbeit und privat)? Welche langfristigen Ziele kannst Du Dir vorstellen?
In der Schule möchte ich erst einmal eine Grundlage für den späteren Unterricht herstellen. Die Kinder sollen in der Lage sein mich zu verstehen, untereinander English reden und die einfachen Aufgaben zu lösen, ohne dass man ihnen andauernd sagen muss, was sie tun sollen.
Privat möchte ich mich intensiver mit der Familie beschäftigen und mir ein Fahrrad zulegen, damit ich nicht mehr vom Daladala fahren abhängig bin. Außerdem möchte ich mein Zimmer umgestalten und Kleinigkeiten verbessern. Ich plane vor allem seit langem einen Tisch und ein Regal und vielleicht sogar noch ein Sofa aus dem vielen Holz, was nicht genutzt wird zu bauen. Wird schon nicht so schwierig sein und Zeit habe ich ja dann in den Ferien genug.
Langfristige Ziele sind die, dass ich mich besser mit der Familie unterhalten kann, die Schüler besser Englisch sprechen können und die Aufgaben schneller lösen.
b. Gibt oder gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme?
Bis jetzt gab es noch keine Nennenswerten Probleme, die Diskussionen oder Klärungen nötig hätten.
c. Gibt es Situationen, die Dir unangenehm sind? Wie gehst Du damit um?
Natürlich gab es solche schon mal. Die gibt es auch immer wieder wo ich mir denke: „Können die mich nicht einfach mal in Ruhe lassen? Ich bin auch nur ein Mensch und will akzeptiert werden.“
Denn Häufig wird hinter meinem Rücken über mich geredet und gelacht. Das macht mich zum einen Wütend, weil ich genau weiß dass sie übe mich reden und es sie nicht kümmert, dass ich ständig das Wort „Mzungu“ (Weißer Mann) höre. Dennoch spornen mich immer wieder diese Situationen an, mein Kiswahili zu verbessern.
4. Sonstiges
a. Wie verlief bis jetzt die Kommunikation bzw. Organisation mit dem Büro?
Soweit ich das beurteilen kann, verläuft die Kommunikation nicht gerade schnell, aber daran habe ich mich schon gewöhnt, dass hier alles etwas langsamer gemacht wird.
b. Hast du schon eine Handynummer, über die du im Notfall erreichbar bist?
+255757224461 begin_of_the_skype_highlighting +255757224461 end_of_the_skype_highlighting begin_of_the_skype_highlighting +255757224461 end_of_the_skype_highlighting (Vodacom)
+255686819260 (Zain)